• Iran-Krieg treibt Notierungen massiv in die Höhe
  • Verzweifelte Versuche des Lageraufbaus
  • Verarbeiter können nur auf Sicht agieren

PE: Die Ethylenreferenz stieg im März um 50 EUR/t. Den eigentlichen dramatischen Kostendruck auf den Markt lösten jedoch der Iran-Krieg und die infolgedessen explodierenden Energie- und Rohstoffpreise aus. Erzeuger reagierten mit Preissteigerungen im Wochenrhythmus, sodass sich die Notierungen binnen Kurzem um mehrere Hundert Euro erhöhten – bis zum Monatsende bei einigen Vereinbarungen auf mehr als 600 EUR/t. Unter der Eskalation im Nahost-Konflikt litt auch die Versorgungslage: Der Spotmarkt trocknete aus. Bedient wurden zumeist nur noch Kontrakte. Etliche Produzenten verhängten Orderstopps und boten Material zu tagesaktuell berechneten Preisen an. Hinzu kam eine nicht nur saisonal bedingte Belebung auf Nachfrageseite: Aus Angst, man könne auf dem Trockenen sitzen, wurde versucht, Lagerbestände aufzubauen. Für den April sind die Aussichten – katastrophal. Die Notierungen könnten gegenüber dem Februar um mehr als 1.000 EUR/t in die Höhe schießen. Die Entwicklung des C2-Kontrakts (+450 EUR/t) dürfte eine Ahnung davon geben, wie schlimm es wird. Angebotsseitig wird sich die Lage nicht entspannen. Und auch die Nachfrage dürfte, solange der Krieg im Iran fortdauert, auf stabilem Niveau bleiben. Verarbeiter kaufen, was sie bekommen. Nur durch die Osterfeiertage könnte eine vorübergehende feiertägliche Beruhigung einkehren.

PP: Durch den Kriegsausbruch im Persischen Golf veränderte sich die Propylen-Welt schlagartig. Im Zwei- bis Drei-Tages-Rhythmus erhöhten sich die Notierungen, und der Markt wandelte sich vom Käufer- zum Verkäufermarkt. Durch geplante wie ungeplante weltweite Anlagendrosselungen wurde Polypropylen zum gesuchten Gut. Kontrakte konnten in Europa knapp und nur mit Verspätungen bedient werden. Für zusätzliche Bedarfe war nur selten Material vorhanden. Zusätzliche saisonale Effekte zeigten Wirkung und erzeugten insgesamt ein normales Nachfrageniveau. Auch der April wird weiter deutliche Anstiege bei den Notierungen sehen. Preistreiber sind die als sicher geltenden Verteuerungen bei Propylen, Energie und Transport. Zudem erwartet das KI-Panel eine spürbare Verengung des Marktes: wenig Material und zunehmende Versuche der Materialsicherung, um Lagerbestände aufzubauen. Verarbeiter können nur auf Sicht agieren. Sie werden versuchen, ihre höheren Einkaufskosten schnellstmöglich an ihre Kunden weiterzureichen.

PVC: Der Anstieg des Ethylenkontrakts um +50 EUR/t hätte im März rein rechnerisch lediglich einen PVC-Aufschlag von rund 25 EUR/t gerechtfertigt. Doch die Realität am Markt sah deutlich anders aus. Der Iran-Krieg trieb die Kosten für Energie und Logistik spürbar nach oben und setzte die Lieferketten zusätzlich unter Druck. Entsprechend starteten die Erzeuger in die Verhandlungen. Zumeist gelang es ihnen, Aufschläge von zwischen 80 und 100 EUR/t umzusetzen. Gleichzeitig verknappte sich das Angebot im Vergleich zu den Vormonaten. Die beeinträchtigte Ethylenversorgung zwang zahlreiche Erzeuger dazu, ihre Anlagen zu drosseln. Während bestehende Kontrakte weiterhin bedient wurden, kam das Spotgeschäft nahezu zum Erliegen. Auf der Nachfrageseite zeigte sich hingegen eine Belebung. Viele Verarbeiter nutzten die Situation zur Lagerauffüllung, während sich die Auftragslage saisonal leicht verbesserte. Mit Blick auf den April zeichnet sich die nächste Eskalationsstufe ab. Der Ethylenkontrakt hat sich um +450 EUR/t auf 1.595 EUR/t verteuert. Diese Steigerung dürfte die Richtung für die Aufschläge bei PVC vorgeben. Das weiterhin reduzierte Angebot macht sogar zusätzliche Teuerungen wahrscheinlich. Dennoch dürfte die Nachfrage nicht uneingeschränkt folgen. Viele Verarbeiter werden sich zurückhaltend zeigen. Auch auf der Importseite tut sich wenig: Verfügbare Mengen bleiben begrenzt.

PS: Es ist eine andere Welt: In den nicht einmal fünf Wochen des Nahost-Kriegs wurden wichtige internationale Lieferströme komplett gekappt, und die damit verbundenen Verwerfungen wirken sich – wenig überraschend – auch auf den Markt für Styrolkunststoffe aus. Orientierten sich die Preisveränderungen für Polystyrol, EPS und ABS zuvor über viele, viele Monate lang weitgehend an der Entwicklung der Vorproduktkosten, so ist dieser Trend nun vorbei. Sorgen über zu erwartende Lieferengpässe sowie explodierende Kosten für Energie, Logistik und Rohstoffe treiben die Notierungen massiv in die Höhe. Der März bereitete allerdings erst den Anfang dieser neuen Situation. So spielte die Styrol-Referenz für März (+73 EUR/t) auch nur bei den Verhandlungen in der ersten Woche des Monats eine Rolle. Bereits in der zweiten Woche reagierten die Produzenten auf die steil nach oben schießenden SM-Spotnotierungen und lancierten zusätzliche Preiserhöhungen. Da sie – zumindest bei PS und ABS – fast alle aber umgehend danach Orderstopps verhängten, kamen die neuerlichen Aufschläge kaum zum Tragen. Ihre Umsetzung wird im April erfolgen – zusammen mit den weiteren Preiserhöhungen, die sich durch die sprunghaft gestiegene Styrol-Referenz für April ergeben (+469 EUR/t). EPS war hingegen auch im weiteren Verlauf des März noch zu bekommen, wenn auch freilich zu immer weiter nach oben tendierenden Preisen. Da die meisten Abschlüsse aber zu Monatsbeginn getätigt wurden, werden die Anbieter – zusätzlich zu den neuen Aufschlägen – auch hier in vielen Fällen deutlichen Nachholbedarf geltend machen.

PET: Der Iran-Krieg wirbelte auch den europäischen PET-Markt im März 2026 durcheinander: Die faktische Rohstoffknappheit führte zu einem zunehmend verzweifelten Run auf die noch vorhandenen Mengen. Auf die ersten Force-Majeure-Meldungen folgte die Neuverhandlung selbst mittel- und langfristiger Lieferverträge. Im Laufe des Monats wurden die Verhandlungszyklen immer kürzer. Oft verteuerte sich das Material von einem Tag zum anderen – immerhin aber konnte noch geliefert werden. Unter dem Strich kam es zu deutlichen Anhebungen von mindestens 100 bis über 500 EUR/t. Für den April ist davon auszugehen, dass sich die Versorgungslage weiter anspannt. So hieß es zuletzt von einigen Anbietern, die Mengen seien bereits ausverkauft – oft mit tagesaktuellen Preisen zum Lieferzeitpunkt, da die PX-Referenz bis zum 30. März noch nicht gefunden war. Inzwischen ist der Kontrakt für März fixiert – bei 1.040 EUR/t und damit gegenüber dem Vormonat um 250 EUR/t fester. Das dürfte zumindest etwas beruhigend wirken, da die Akteure eher mit einer Verteuerung um 300 EUR/t oder mehr gerechnet hatten. Allerdings: Selbst bei einem derzeit nicht prognostizierbaren Ende der Kampfhandlungen im Nahen Osten wird es sicher Monate dauern, bis sich die Dinge wieder auf Normalmaß einpendeln. Immerhin die Recycler dürften nach einer längeren Durststrecke von dem Run auf das Material profitieren.

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