- Notierungen gehen durch die Bank nach unten
- Minus übertrifft Rückgang beim Monomer
- Nachfrage sommerlich mau, Angebot durch Importe hoch
- Keine Trendwende im Juli

PE: Nach vier Monaten Verteuerung in Folge wurde der Ethylenkontrakt für Juni um 50 EUR/t niedriger fixiert. In Verbindung mit der mauen Nachfrage vor den Sommerferien resultierten daraus deutliche Preisanpassungen nach unten – die das Minus beim Monomer erheblich übertrafen. Ein durch die Bank ordentliches Angebot belastete die Notierungen zusätzlich. Trotz gedrosselter Anlagen war in Europa mehr als ausreichend Material verfügbar. Zudem drängten Importe aus Asien auf den Markt. Die Ordertätigkeit wiederum stagnierte auf niedrigem Niveau. Verarbeiter forcierten vehement den Abbau ihrer teuer eingekauften Lagerbestände, um die Abschreibungen zu minimieren. Aus den Endmärkten kamen keine Impulse, die eine Nachfrage hätten beleben können. Auch im Juli dürfte sich an der Situation nicht viel ändern. Die Abrufe werden während der Sommerferien mau bleiben. Verarbeiter und ihre Kunden betreiben Destocking im großen Stil.
PP: Ein KI-Panelteilnehmer fasste die Marktlage ebenso treffend wie fatalistisch zusammen: „Egal, wie tief die Preise sinken. Wir als Kunststoffverarbeiter kaufen ohnehin nichts.“ Etwas differenzierter formuliert, heißt das: Der Propylenkontrakt tendierte im Juni um 30 EUR/t leichter. In den Verhandlungen konnten Verarbeiter aber deutlich größere Abschläge erwirken. Denn die Preise waren in den Monaten zuvor massiv gestiegen – und aus der Nachfrage kamen keinerlei Impulse. So reichten selbst stark gedrosselt laufende Anlagen in Europa, um den Bedarf vollständig zu decken. Einige Lieferanten boten sogar zusätzliche Mengen an. Vor allem in Südeuropa landeten sogar noch Importe aus Asien an. Auf der anderen Seite nahm die Ordertätigkeit weiter ab, da die Verarbeiter sich bemühten, ihre teuren Bestände abzubauen. Neue Aufträge blieben vor den Sommerferien rar. Für Juli ist keine Trendwende zu erwarten: Der Propylenkontrakt setzt seine Talfahrt fort. Das wird auch die Notierungen von Polypropylen weiter abwärts schicken. Da die Abrufe weiter vor sich hindümpeln, dürften die Bestände der Erzeuger ansteigen. Die Sommerzeit mit ihren Ferien dämpft die Abrufe erneut.
PVC: Die Verarbeiter gaben im Juni den Takt vor. Was zunächst nach einer moderaten Weitergabe der gesunkenen Ethylenkosten (-50 EUR/t) aussah, entwickelte sich im Monatsverlauf zu einer breiteren Abwärtsbewegung. Die schwache Nachfrage, gut gefüllte Lager und die Ferienzeit verschafften den Käufern zusätzlichen Verhandlungsspielraum. Entsprechend fielen die Preisnachlässe bei PVC vielerorts höher aus. Auch bei den PVC-Compounds setzte nach drei Erhöhungsrunden in Folge wieder eine Abwärtsbewegung ein. Dem Markt stand im Juni ausreichend Material zur Verfügung, nicht zuletzt weil die Produktion im ehemaligen Vynova-Werk in Wilhelmshaven trotz des Eigentümerwechsels ohne Unterbrechung fortgeführt wurde. Ebenfalls bevorzugten Erzeuger, ihr Material im europäischen Spotmarkt zu verkaufen und nicht in den starken Konkurrenzkampf mit asiatischen Produzenten in den Exportmärkten einzusteigen. Im Juli dürfte sich der Preisdruck weiter verschärfen. Gleichzeitig dürfte die Nachfrage in den Sommerferien abermals an Dynamik verlieren. Da viele Verarbeiter ihre Lager gut gefüllt haben und sich auf den kurzfristigen Bedarf beschränken, werden die Erzeuger einen Anstieg der eigenen Bestände kaum vermeiden können.
PS: Die Hausse ist beendet. Im Juni 2026 drehten die Notierungen für Styrolkunststoffe nach unten, nachdem sie zuvor mehrere Monate lang gestiegen waren. Der Cocktail aus hohem Preisniveau, Spekulationen auf eine Trendumkehr, ausreichend Lagerbestand und bevorstehender Urlaubszeit erwies sich als Gift für die Nachfrage. Gekauft wurde nur das Allernötigste. In den nachfolgenden Wochen versuchten sie, zumindest den Rollover zu verteidigen. Damit hatten sie aber oft keinen Erfolg. Am Markt gab es stattdessen viele Preisrücknahmen beziehungsweise Anpassungen von preislichen Hochlagen. Bei EPS und ABS bildete der Rollover sogar die Höchstgrenze des Erreichbaren, ansonsten waren allenfalls Abschläge zu verzeichnen. Im Zuge dessen gaben die Durchschnittspreise sämtlicher von KI gemeldeten Styrolkunststoffe leicht nach. Im kommenden Monat wird sich der Abwärtstrend der Preise massiv beschleunigen. Von der Nachfrage sind keine Impulse zu erwarten. Im Gegenteil: Im Juli beginnt die Urlaubszeit, und viele Verarbeiter legen eine Betriebsruhe ein.
PET: Der europäische PET-Markt hat im Juni eine Kehrtwende vollzogen. Die Hamsterkäufe nach Beginn der kriegerischen Auseinandersetzung am Persischen Golf hatten sich bereits im Vormonat deutlich beruhigt. Die vollen Materiallager sorgten nun dafür, dass die Verarbeiter die Nachfrage ohne Probleme bedienen konnten. Die Endmarkt-Nachfrage blieb trotz der Hitzewelle in Europa klar unter den saisonalen Erwartungen. Einfuhren aus Fernost zeigen weiterhin Präsenz. Um einen ausreichenden Abfluss zu sichern, blieb den europäischen Anbietern in der Folge nichts anderes übrig, als sich mit recht deutlichen Abschlägen den Importnotierungen zu nähern. Auf der Angebotsseite sind derzeit keine wesentlichen Änderungen für den Juli absehbar. Da die Verarbeiter den Bedarf der Endmärkte wohl über den gesamten Sommer hinweg aus Beständen befriedigen können, besteht wenig Kaufneigung. Vermutlich werden die Notierungen daher nochmals spürbar Richtung Vorkriegsniveau absinken.

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